Was bringen die Steueränderungen im Jahr 2026: Unternehmertum unter neuen Bedingungen
19. Januar 2026
Der Adviterra-Club im Januar hat ein Thema angesprochen, das heute fast jeden Unternehmer beschäftigt: Wohin geht die Entwicklung der Steuer- und Abgabenlast, was ändert sich ab 2026 und worauf muss man sich schon heute vorbereiten?
In drei Blöcken haben wir uns mit dem makroökonomischen Kontext, den Änderungen für natürliche und juristische Personen sowie den praktischen Auswirkungen im Bereich der Mehrwertsteuer befasst.
Warum sich die Steuern auch weiterhin ändern werden
Der erste Block befasste sich mit einem umfassenderen Überblick über die Lage der öffentlichen Finanzen. Die Steuereinnahmen machen heute einen wesentlichen Teil des Staatshaushalts aus, doch trotz ihres Wachstums gelingt es langfristig nicht, das Defizit der öffentlichen Finanzen zu verringern. Die Staatsausgaben steigen schneller als die Einnahmen, das BIP stagniert und die Inflation gehört zu den höchsten in der Eurozone.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die Slowakei bereits die sogenannte Laffer-Kurve überschritten hat – eine weitere Erhöhung der Steuern würde höchstwahrscheinlich nicht zu höheren Einnahmen führen, sondern eher zu einer Abschwächung der Wirtschaftstätigkeit. Auch deshalb ist es offensichtlich, dass die Konsolidierungsmaßnahmen eher in den Bereich der Abgaben, Umverteilung und Verschärfung der Regeln verlagert werden als in eine allgemeine Erhöhung der Steuersätze.
Änderungen für natürliche Personen: größter Druck auf Kleinunternehmer
Einer der Bereiche, in denen sich die Änderungen am deutlichsten bemerkbar machen, sind natürliche Personen – insbesondere Gewerbetreibende.
Änderung der Definition von abhängiger Arbeit
Ab dem 1. Januar 2026 ändert sich die Definition der abhängigen Beschäftigung. Die Bedingung der festgelegten Arbeitszeit entfällt aus dem Gesetz, was bedeutet, dass auch Personen, die im Homeoffice oder mit flexiblen Arbeitszeiten arbeiten, unter die Merkmale eines Arbeitsverhältnisses fallen können. Die Kontrollen durch die Arbeitsaufsichtsbehörde können sich somit auf einen breiteren Kreis von „unechten Gewerben” konzentrieren.
Höhere Steuern bei höheren Einkommen
Für natürliche Personen bleibt der Grundsteuersatz zwar bei 15 %, aber die progressive Besteuerung wird auf Einkommen über 100.000 € ausgeweitet. Ab 2026 kommen neue Steuersätze von 30 % und 35 % hinzu, was die Gesamtsteuerbelastung für höhere Einkommen erhöht.
Wachstum der Abgaben
Auch bei den Abgaben kommt es zu einer deutlichen Änderung:
- Die Krankenkassenbeiträge der Arbeitnehmer steigen von 4 % auf 5 %.
- Die Mindestbemessungsgrundlage für Sozialabgaben wird von 50 % auf 60 % des Durchschnittslohns erhöht.
In der Praxis bedeutet dies einen spürbaren Anstieg der Abgaben, insbesondere für Selbstständige mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die bisher um das Minimum herum lagen.
Ende der vorteilhaften Steuerferien
Ab 2026 werden die Beitragsbefreiungsfristen von 12 auf 6 Monate verkürzt und die Einkommensgrenze, ab der Selbstständige keine Sozialabgaben zahlen mussten, abgeschafft. Nach der neuen Regelung fallen somit auch bei Null-Einkommen Beiträge an, was die Attraktivität der Selbstständigkeit für Existenzgründer grundlegend verändert.
Gewerbe vs. GmbH: Zeit für eine Neubewertung der Unternehmensform
Vergleiche zwischen den Jahren 2025 und 2026 zeigen deutlich, dass Kleinunternehmer am stärksten betroffen sind. Bei niedrigeren Einkommen kommt es zu einem realen Rückgang des Nettoeinkommens, bei höheren Einkommen stoßen sie hingegen an die Obergrenze der Pauschalausgaben.
Bei einem Einkommen von über ca. 33.000 € pro Jahr steigen die Pauschalausgaben nicht mehr, die Abgaben jedoch schon. In solchen Fällen ist eine GmbH oft steuerlich und abgabentechnisch vorteilhafter, insbesondere bei einem Steuersatz von 10 % bis zu einem Umsatz von 100 .000 €.
Es gibt jedoch keine universelle Lösung, jeder Fall erfordert eine individuelle Berechnung entsprechend der Art der Einnahmen, Ausgaben und Zukunftspläne.
Juristische Personen und Mindeststeuer: Was ist zu beachten?
Seit 2024 gibt es wieder eine Mindeststeuer (Steuerlizenz) und seit 2026 gibt es eine weitere Grenze für große Unternehmen mit einem Umsatz von über 5 Millionen Euro.
Es ist wichtig, sich Folgendes bewusst zu machen:
- Die Mindeststeuer basiert auf den steuerpflichtigen Erträgen, nicht auf allen buchhalterischen Erträgen.
- Dividenden oder Schenkungen, die nicht steuerpflichtig sind, haben keinen Einfluss auf die Höhe der Steuer.
Ein großes Risiko bleibt auch die falsche zeitliche Abgrenzung von Erträgen. Eine Besteuerung im falschen Zeitraum kann zu zusätzlichen Steuerbescheiden und Strafen bei einer Steuerprüfung führen.
Mehrwertsteuer und Personenkraftwagen: Ende der automatischen 100%igen Abzugsfähigkeit
Eine wesentliche Änderung ist die Einschränkung des Vorsteuerabzugs bei Personenkraftwagen. Ab dem 1. Januar 2026 gilt eine Übergangsphase bis Juni 2028.
Vollständige Vorsteuerabzugsfähigkeit haben:
- Taxidienste,
- Kurzzeitmieten (bis zu 30 Tage),
- Fahrschulen,
- Unternehmer, die ein elektronisches Fahrtenbuch führen und ihrer Meldepflicht nachkommen.
Das elektronische Fahrtenbuch muss in elektronisch verarbeitbarer Form geführt werden und detaillierte Angaben zu jeder Fahrt enthalten. Gerade die Anwendung des 100-prozentigen Steuerabzugs beim Kauf eines Fahrzeugs stellt das höchste Risiko einer Steuerprüfung dar, daher ist es wichtig, dass die Unterlagen in Ordnung sind.
Fazit: Planung ist heute unverzichtbar
Der Adviterra-Club im Januar hat gezeigt, dass es im Jahr 2026 noch mehr auf durchdachte Entscheidungen, Planung und die richtige Wahl der Unternehmensform ankommen wird. Steuern und Abgaben werden sich weiterentwickeln, aber die richtige Einstellung heute kann die zukünftigen Kosten und Risiken erheblich beeinflussen.
Auch diesmal hat sich bestätigt, dass Professionalität, Disziplin und eine langfristige Perspektive nicht nur für das Wachstum von Unternehmen entscheidend sind, sondern auch für ihre Stabilität in einem sich wandelnden Umfeld.
Die komplette Videoaufzeichnung aus dem Adviterra Club ist im Bereich Events auf unserer Website.